In Deutschland gibt es derzeit etwa 250 Lizenznehmer mit über 2.000 Fairtrade-Produkten wie Kaffee, Tee, Schokolade, Kekse, Kakao, Honig, Bananen, Frucht­säfte, Eistees, Wein, Sportbälle, Reis, Rosen, Zucker und Textilien aus Fairtrade-Baumwolle an.
Diese Produkte sind in rund 42.000 Supermärkten, Bioläden, Kaufhäusern, Drogeriemärkten, in den Welt­läden sowie in Fachgeschäften mit dem Fairtrade-Siegel er­hältlich (vgl. FairTrade-Towns).

Fair Trade Label

Dies ist eigentlich das Label, welches Verbrauchern beim Konsumieren ein gutes Gefühl verleihen soll. Es ist so „einfach“: Wir kaufen im richtigen Supermarkt, Dritte Welt Laden oder Bioladen ein, nehmen die Produkte mit den Fair Trade Siegeln und schon sind wir die „Besser Konsumierenden“.

Sind wir es wirklich?
Wer oder was steckt hinter den Siegeln?

Damit beginnt die Verunsicherung.
Zudem wird in den Medien mehr und mehr über „unfairen Handel“ be­kannt.
Kathrin Hartmann, eine der großen kritischen Konsumjournalistinnen schreibt zum Thema „Fairer Handel“ exemplarischen in ihrem Blog „Ende der Märchenstunde“:

„Business as usual. Wer nicht selbstbestimmt anbauen und vermarkten kann, wer nur Rohstoffe liefert, verliert: denn der höhere Supermarktpreis kommt nicht bei den Produzenten an, sondern bei Zwischenhändlern, Werbeagenturen, Vertrieb. Je größer der Faire Handel wird, je größer die Handelsketten und Konzerne, die sich mit dem Siegel schmücken – desto unfairer wird er. Während Rebellen und kleine Initiativen, die die üblichen Verkaufsstrukturen umgehen, nur einen kleinen Markt bedienen und höhere Preise verlangen müssen.“ (Hartmann 2012)

Wir werfen einen kleinen Einblick in die für den Bereich des Feierns relevan­ten, „fairen Produkte“. Dabei stellt sich nicht nur die Frage von „Fairness“ oder „ethischem Konsum“. In Zeiten des Klimawandels sollten wir uns unter CO2 Aspekten zugleich die Frage stellen:

Muss es immer „Fair“ sein oder kann es auch „nur regional“ sein?

Das hat auch Fairtrade Deutschland getan.

Fair Trade Rosen

Fairtrade-Rosen kommen gekühlt, ohne Umwege, nach Deutschland und blühen dadurch länger. Laut Fairtrade weisen sie trotz Luftfrachttransport eine wesentlich günstigere Energie­bilanz auf, als Gewächshaus-Rosen aus Europa. Durch das wärmere Klima in Ost­afrika kann auf die Beheizung und Beleuchtung der Gewächshäuser verzichtet werden (vgl. Brück 2014) war eine der ersten Aussagen, die bei der Recherche nach möglichen Unge­reimtheiten auffiel.
An dem Punkt:

weisen sie trotz Luftfrachttransport eine wesentlich günstigere Energiebilanz auf, als Gewächshaus Rosen aus Europa [auf]“

sollte man skeptisch werden. Bei dem Versuch, die Ursprungsquelle dieser Aussage zu finden, stößt man, wie es neudeutsch heißen könnte: „in den Dschungel des CSR Marketing“.

Zum Thema Klimawandel lässt uns Fairtrade Deutschland (2009) wissen:

„Häufig ist der Einwand zu hören, dass es gerade in Zeiten des Klimawandels frag­würdig sei, Produkte aus weit entfernten Ländern zu kaufen. Diese Argumentation trifft nicht zu, da gerade bei Nahrungsmitteln die Produktion und Verarbeitung eine wichtigere Rolle für den Klima Fußabdruck spielen als die Herkunft. […] Rosen aus Afrika verursachen inklusive Transport deutlich weniger Emissionen als Rosen holländischen Treibhäusern. Da warmes Klima und viel Handarbeit die Emissionen im Anbau stark verringern, ist es häufig so, dass der Anbau im Süden auch unter Be­rücksichtigung des Transports aus einer Klimaschutz Perspektive besser ab­schneidet. […] (Fairtrade Deutschland. Statement Klimakonferenz in Kopenhagen 2009).

Interessant, aber dieses Statement enthält Aussagen, die nur die halbe Wahrheit berichten.

Auf den ersten Blick scheint es logisch und nachzuvollziehen, dass Blumen aus Treibhäusern in Holland mehr CO2 Emissionen verursachen. Unter dem Aspekt des ganzjährigen Rosen­schnitts unter europäischen Verhältnissen benötigen diese viel Licht, Wasser und Wärme.

Aber was ist, wenn Rosen nicht in Treibhäusern angebaut werden?
Wenn diese nicht das ganze Jahr zur Verfügung stehen müssen und wir auf regio­nale Erzeugnisse zurückgreifen?

Blick in die Studien

Zurückgehend auf eine Ursprungsquelle zum obigen Statement findet sich eine Studie, die 2007 erstellt und 2011 aktualisiert wurde. Grundlage für die Aktualisierung im Mai 2011 war die Berechnung aus dem Jahr 2007.

pro kg BlumenEmissionen EcuadorEmissionen HollandEmissionen Umkreis
Ergebnisse aus dem Jahr 200618.4 kg CO2/kg40.1 kg CO2/kg1.7 kg CO2/kg
Ergebnisse aus dem Jahr 201117.6 kg CO2/kg43.6 kg CO2/kg1.5 kg CO2/kg

Das Ergebnis zeigt, dass pro kg Blumen die Emissionen der Blumen aus Holland die Emissionen derer aus Ecuador um das knapp 2.5-fache, die Emissionen derer aus Deutschland (aus der Freilandproduktion) gar um das knapp 20-fache übersteigen (vgl. Dellantonio 2011: S.19ff.).

Die Emissionswerte der Produktion für Schnittblumen aus Deutschland wurden im Statement jedoch nicht erwähnt! Die Aussage Rosen aus Afrika verursachen inklusive Transport deutlich we­niger Emissionen als Rosen holländischen Treibhäusern” ist zwar richtig, aber leider wird dabei verschwiegen:

;)

“Am günstigsten wäre es, wenn Sie Rosen aus dem heimischen Umkreis kaufen, denn diese verursachen nur wenig Emissionen. Dies wäre auch fair für die Blumenanbauer und Floristinnen vor Ort. Denn damit würden Sie nicht nur einen Betrag zur CO2 Kompensation leisten sondern zudem bei der Arbeitsplatzerhaltung regionaler Anbauer helfen” 

Persönliches Resümee:

Bei der Vermarktung von Fair Trade Blumen geht es nicht wirklich um die Vermeidung von CO2 Emissionen oder um die Gesundheit des Planeten sondern um Marketing.
Blumen können wir im eigenen Garten oder einem Urban Gardening Projekt heran ziehen.
Wer dazu keine Zeit oder keinen grünen Daumen hat, sollte sich in der eigenen Region umschauen.
Anbauverbände wie Bioland, Demeter und Naturland sowie Verbände mit dem EU-Biosiegel vertreiben Bio Zierpflanzen, die saisonal und regional wachsen und den CO2 Fußabdruck minimieren.
Adressen finden Sie unter www.bio-zierpflanzen.de sowie auf der Netzwerkseite von “Ökologisch feiern

Gerade während den wärmeren Jahreszeiten in Europa, wenn es bei uns Freilandblumen gibt, ist der Transport von Schnittblumen per Flugzeug aus fernen Ländern wegen der CO2 Emissionen umweltschädigend und negativ zu bewerten.
In den kälteren Jahreszeiten sollten Sie sich fragen, ob es wirklich (Fair Trade) Rosen sein müssen, die die Vase schmücken…

;)

Denken Sie auch über “Slow Flowers” nach 

Fortsetzung folgt: In der nächsten Woche gibt es ein wenig mehr zum Thema ” COFußabdruck & Fair Trade”…

Quellen:Brück, Claudia. Fairtrade Deutschland. Herausgeber: TransFair. Januar 2014. http://www.fairtrade-deutschland.de/fileadmin/user_upload/specials/rosenspecial_2014/fairtrade_rosenzeitung_FINAL.pdf (Zugriff am 5. Februar 2014).Brück, Claudia, Hrsg. Fairtrade Deutschland. Statement Fairtrade und Bio. Februar 2014. http://www.fairtrade-deutschland.de/fileadmin/user_upload/materialien/download/download_statement_fairtradeundbio.PDF (Zugriff am 10. Februar 2014).Brück, Claudia, Hrsg. Fairtrade Deutschland. Statement Klimakonferenz in Kopenhagen. 7. Dezember 2009. http://www.fairtrade-deutschland.de/fileadmin/user_upload/materialien/download/fairtrade_statements_klimawandel.pdf (Zugriff am 10. Februar 2014).Dellantonio, Kathrin. „Umweltaspekte im Blumenhandel. Studie zur Klimaverträglichkeit der Schnittblumenproduktion.“ Vers. Update 2011. myclimate.org. Herausgeber: myclimate – The Climate Protection Partnership. Kathrin Dellantonio. Mai 2011. http://www.fian.at/assets/myclimateUmweltaspekte-im-Blumenhandel-2006-Update-2011_2.pdf (Zugriff am 3. Februar 2014).Fairtrade Deutschland. Hintergrundinformationen Fairtrade Rosen. April 2012. http://www.fairtrade-deutschland.de/fileadmin/user_upload/ueber_fairtrade/fairtrade-themen/fairtrade_statement_fairer_handel_beispiel_rosen.pdf (Zugriff am 10. Februar 2014).FairTrade-Towns. TransFair. Verein zur Förderung des Fairen Handels e.V. http://www.fairtrade-towns.de/fairtrade-towns/fairtrade-produkte/ (Zugriff am 18. Februar 2014).Hartmann, Kathrin. Ende der Märchenstunde. 12. Januar 2012. http://www.ende-der-maerchenstunde.de/index.php?/archives/151-Die-Wahrheit-hinter-Fairtrade.html (Zugriff am 10. Februar 2014).