Als ich 2011 anfing, mich mit dem Thema “Green Wedding” auseinander zu setzten, tat ich das nicht, weil ich “nichts auf der Welt mehr liebe als Hochzeiten” oder das Motto “Green” gerade im Hype stand.
Das Thema ist und bleibt aktuell, aber nicht, weil sich mit einem solchen “TREND” richtig viel Geld machen lässt, sondern weil ökologisches und ethisches Handeln derzeit notwendiger ist, als jemals zuvor in der Geschichte der Menschheit.
In allen Bereichen! Der Bereich Hochzeit bietet dabei die Chance, an einem einzigen Tag entweder ganz viel CO2  zu verursachen, oder eben relativ wenig…

Sehr schnell wurde mir jedoch bewusst, dass das, was ich in meinem Kopf plante, in der Realität noch nicht zu finden war. Seit dem recherchiere ich nach Anbietern, die in das Konzept passen. Im Laufe der Zeit setzte ich mich immer weiter mit der Verbesserung des Konzeptes auseinander. Ich schaue genau, stelle manchmal “unliebsame” Fragen und verfolge Spuren bis zur Ursprungsquelle.
Manchmal auch ganz tief unter die Oberfläche, da wo es unbequem wird. Was ich dabei entdeckt habe, kann nicht länger darauf warten, bis das Buch, welches wir gerade im “Hintergrund des Netzwerkes” schreiben, veröffentlicht wird.
Schließlich steht die Hochzeitssaison an und was über die Themen “Green”, “Nachhaltig” und “Fair” im Zusammenhang mit Hochzeit derweil veröffentlicht wird, schreit danach richtig gestellt zu werden.

Es geht um die Zukunft unserer (ungeborenen) Kinder und Enkelkinder

Die Planung einer ökologischen und ethischen Feier ist nicht gestaltbar, indem wir einfach auf „grüne“ Weise konsumieren (mehr dazu unter “Ende der Märchenstunde“). Obwohl man dieses Gefühl bekommen kann, wenn man beginnt, sich kritisch mit dem Thema „Planung einer Feier“ und insbesondere mit dem Thema “Hochzeit“ auseinander zu setzen. 

Immer neue Trends, immer neuere Produkte, immer mehr, immer weiter! Jede noch so „hippe“ erfolgversprechende Strömung wird aufgegriffen und inflationär mit Definitionen belegt, die uns wie ein Pferdeflüsterer suggerieren:

„Du bist nur gut, wenn du das richtige Produkt kaufst!“

Das ist auch das Bild, das uns da draußen im WORLD WIDE WEDDING WEB vermittelt wird.

“Deine Hochzeit ist nur gelungen, wenn Du die richtigen Dingen kaufst”

Welche sind das?

Alles eine Sache der Verpackung

Dass Produkte weder ökologisch, noch ethisch, noch nachhaltig sein müssen, spielt in den Köpfen von “Experten” keine Rolle. Sie werden nicht für den Erhalt des Planeten bezahlt, sondern dafür, Produkte besser zu vermarkten.
Nicht einmal der „Grüne Sektor“ ist davor gefeit, Greenwashern auf den Leim zu gehen. Das ist auch in der Hochzeitsindustrie angekommen. Zwar sind die genauen Umsatzzahlen ein wohl gehütetes Geheimnis dieser Industrie, aber Schätzungen zufolge beläuft sich der Umsatz auf über zwei Milliarden Euro im Jahr (Land, Sadeghi und Heyser 2013).

Green Wedding “einfach”

„Green Wedding Washing “ ist so einfach:
“Man nehme fair gehandelten Kaffee, Gold, das ohne Kinderarbeit gefördert wurde und Blumen,  die nach dem Fest wieder eingepflanzt werden. Flups. Fertig.”

Das war es schon?
Oberflächlich betrachtet vielleicht.

„Nachhaltig“ ist mittlerweile angeblich jeder Global Player. Fair sowieso, im Zweifel wird ein neues Siegel erfunden, auf dem „Fair“ steht. An den ökologischen und ethischen Punkten lässt sich arbeiten. Das Wörtchen „Grün“ synonym „Green“, bietet dafür ausreichend Gelegenheiten. Es geht schon los, bei einem Kartenhersteller, der in seiner „Collection“ eine Serie mit dem Namen Green Wedding anbietet. Das „Green“ bezieht sich dabei vermutlich auf die Farbe der Karte.  Auf Nachfrage bei dem Online Kartendruckerdienst weiß die Dame am anderen Ende nicht, was Umweltpapiere sind, geschweige denn, dass sie Kundinnen erklären könnte, um welche Papiersorte es sich handelt, aber die Farbe kann sie mir zumindest mitteilen 3:)

Die meisten konsumfreudigen (Wedding) Webseiten empfehlen übrigens gebetsmühlenartig drei Punkte, mit der eine Green Wedding gestaltbar ist:

  1. „Eine grüne Location, im Freien, deren Betreiber Energie und Wasser sparen“.
    Fragen Sie spaßeshalber mal nach: Auch der Gasthof in Ihrer Nähe gibt an, dass sie im Freien feiern können und er Wasser und Energie spart.
  2. „Einladungskarten auf Recyclingpapier“.
    Welches darf es denn da sein? Welches schont die Umwelt? FSC? Blauer Engel? PEFC? EU Ecolabel?
    Und wie ist es mit dem Druck? Wird in Deutschland gedruckt? Oder gar in Asien? Da kämen noch CO2 Emissionen für den Transport dazu. Von der Druckfarben möchte ich gar nicht erst anfangen zu berichten. Das übernimmt besser Gugler in Österreich.
  3. „Anstelle der Floristik können Sie „wiederverwendbare Topfblume“ verwenden“
    Woher kommen diese? Wie wurden sie angebaut? Wurden Sie mit Pestiziden und Herbiziden behandelt? Haben sie gerade Saison?

Verstanden hat in der virtuellen Welt bisher kaum jemand, dass es bei einer „ökologischen Feier nicht um Wachstum, Trends und Konsum geht. Es geht auch nicht darum, einer konventionellen Hochzeit einen „grünen Anstrich“ zu geben, und „ökologische“, „faire“  und „vegane“ Produkte, in viel Plastik verpackt, zu verkaufen. Oder darum “Ablasspapier der Neuzeit” zu kaufen, um seine “eventuell doch verursachten CO2 Emissionen zu kompensieren”. Wer es wirklich ernst meint mit Kompensation, sollte diese von Anfang an vermeiden oder lieber 25 Bäume in einen Hochzeitswald vor Ort pflanzen – wobei auch diese mindestens 10 Jahre benötigen, um die verursachten Emissionen zu neutralisieren.

Bei einer “Green Wedding” geht es darum, die “gesamte, nackte Wahrheit” des Konsums zu umgehen und in erster Linie um Suffizienz (Konsumverzicht). In Sinne von: „Danke, er reicht. Wenn Ihr den Planeten verschmutzt, die Menschen vergiftet oder Pflanzen und Tiere mutwillig auf Kosten von Gewinnmaximierung und Arbeitsplätzen ausrottet, mache ich dabei nicht mit.”

Mir reicht es schon lange: Wie wissen, dass der heutige Konsum auf Kosten der Gesundheit aller Organismen geht. Warum also konsumieren wir weiter Dinge, die uns krank machen, die uns suggerieren: “Alles ist gut!”

Ich schaue nicht mehr dabei zu, wie der Planet weiter verdreckt wird. Das Meer mit “grünen” Plastikabfällen verstopft wird, weil jede Bio-Gurke verpackt werden muss. Kinder spielend in Quecksilber sitzen, weil es ja nicht meine eigenen sind. Menschen in Afrika nichts mehr zu essen haben, weil wir hier “faire” Monokultur Ware benötigen und unserm Gewissen erzählen lassen, dass sei klimafreundlich. Ich verbreite nicht mehr die Lüge, dass ein “Grünes Wachstum” möglich ist. 

Ich versuche Alternativen zu finden, die es wert sind, gekauft zu werden. Alternativen, von Menschen, die wirklich regional, ethisch und ökologisch denken und in deren Lieferkette es keine “Ungereimtheiten” gibt.
Deshalb muss eine Feier nicht weniger “toll” oder “schick” sein. Deshalb müssen wir nicht weniger Spaß haben.
Irgendwie hat es die Menschheit bis 1850 doch auch geschafft, opulente Feste zu feiern, die nicht gleich einen CO2 Wert zwischen 19t – 1194t hinterlassen haben?!
Zugegeben, sie hatten kein “Hamsterrad” und so nahmen sie die Dinge, die in ihrer nächsten Umgebung vorhanden waren – meistens kostenlos oder geliehen.

Ich schalte gerne das Radio und den Fernseher ab (wegen der Werbung), mein Hirn an und frage mich in Ruhe:

Wie entgehe ich den “Verlockungen” des World Wide Web? Wie funktioniert das “Hamsterrad”? Was wird als “Nachhaltig”, “ökologisch” und als “fair” verkauft?

Über den “Fair Trade Krimi” berichte ich in der nächsten Woche ein wenig mehr.

;)

Wer bis dahin nicht mehr warten kann, sollte zumindest schon einmal anfangen “tief zu tauchen” und nicht einfach nur alles konsumieren, was gerade verlockend aussieht und ein “faires” Siegel trägt 

Oder noch einfacher: Nutzen Sie Ihren Instinkt und Ihr Bauchgefühl.
Schauen Sie sich einmal innerhalb Ihres Wohnortes um, wo es noch Menschen gibt, die von Anfang bis Ende ökologisch, ethisch und fair selber produzieren und dies auch leben.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Post Navigation