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Ganz klar, eine Hochzeit ohne “Süßigkeiten” ist heutzutage in unseren Köpfen kaum vorstellbar, aber wer sich ernsthaft mit den Themen Ökologie, Ethik und CO2 Emissionen auseinander setzt, wird im Bereich Zucker ziemlich verunsichert. Obwohl sich auch ein oder zwei andere Alternativen finden lassen 

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Wie wir wissen, handelt es sich bei Rohzucker (Fabrikzucker*) um eine Süßigkeit, die wir physiologisch nicht für die menschliche Ernährung benötigen. Damit ist das Gewissen bereits alarmiert.
(Unter Fabrikzucker verstehe ich hier isolierte Zuckerprodukten, die so verändert wurden, dass sie nur noch leere Kalorien enthalten, nicht “Zucker als Kohlenhydrat in natürlichen Lebensmitteln” die wir brauchen. Das wird gerne von der Lebensmittelindustrie in einen Topf geworfen  )

Zusätzlich wird Zucker nicht unbedingt regional angebaut und belastet unsere CO2 Bilanz. Da könnte uns eine Aussage von Fairtrade Deutschland doch entspannen?

„Rohzucker aus Fairtrade Produktion in Paraguay verursacht inklusive Transport rund 40 Prozent weniger Treibhaus Emissionen als Zucker aus Schweizer Zuckerrüben.” (Statement Klimakonferenz)

Diese Aussage geht zurück auf eine Untersuchung von Climatop in der Schweiz (Climatop 2010). Die unabhängige Organisation lässt im Auftrag der Migros, dem größten Detail­unternehmen in der Schweiz, die Klimabilanzen nach international anerkannten Standards (ISO 14040) erstellen (MIGROS.climatop kein Datum).

Von Climatop verglichen wurde die Klimabelastung von 1 kg unterschiedlicher Zucker. Berechnet wurde die Treibhausgas-Emissionen vom Anbau von Zuckerrüben oder vom Zuckerrohr, über die Zuckerherstellung und die Transporte bis zur Entsorgung der Verpackung.

Dazu sollte man wissen,

  • dass insgesamt “nur” 6 Zucker (in der Nachberechnung von 2012, 17 Zucker) aus dem Migros Sortiment untersucht wurden.
  • Bei dem Fairtrade Zucker aus Paraguay handelte es sich um Bio-Zucker von Max Havelaar.
  • Aus der Internetseite von Migros ist zu lesen: „Die Klimabelastung dieses Zuckers liegt trotz langer Transportdistanzen rund 40 Prozent tiefer als bei einheimischem Zucker“ (MIGROS. Bio Zucker kein Datum), bei den Resultaten ist dann aber nur noch die Rede von 33 %. Wortwörtlich: „Die Klimabelastung ist rund 33% tiefer als beim durchschnittlich von der Migros verkauften Zucker“ (Climatop 2010).
  • Laut climatop verursacht der Biozucker am meisten CO2 Emissionen beim Transport per Schiff von Paraguay über den Atlantik und den Rhein bis in die Schweiz (ebd.).
  • Beim Schweizer Zucker fällt vor allem der Anbau der Zuckerrüben ins Gewicht, ge­folgt von der Herstellung des Zuckers in der Fabrik (ebd.).

Nachgeschaut – Nachgedacht

Beim Anbau des Bio-Zuckerrohrs werden keine Pestizide, kein Dünger und auch kaum Maschinen verwendet. Das ist aber nicht bei allen Fairtrade Rohzuckerprodukten der Fall. “Nur Fairtrade” dürfte auf jeden Fall mehr CO2 Emissionen verursachen.
Beim Schweizer Zucker handelt es sich um Rübenzucker (Würfel und gemahlen so­wie Biozucker), welcher, obwohl Bio und konventionell, dieselben CO2 Werte auf­weist.
An dieser Stelle wird ein Untersuchungsfehler vermutet, da für den Biozucker ebenfalls kein Dünger und keine Pestizide anfallen dürften. Der Wert des Biozuckers müsste geringer sein.

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Zum einen mag dahin gestellt sein, ob die Werte der CO2 Emissionen miteinander verglichen werden können, da Bio Rohrzucker (0,45 CO2/kg) mit (Bio)Rübenzucker (0,7 CO2/ kg) verglichen wird, also Äpfel mit Birnen. In Paraguay wird scheinbar per Hand geerntet, in der Schweiz auch? Bei Ernte per Hand fällt ein komplett anderer CO2 Wert an als mit der Maschine!
Für eine aussagekräftige Untersuchung hätte Rohzucker, der in der Schweiz angebaut und auf die selbe Weise geerntet und verarbeitet wird, wie der Zucker in Paraguay, verwendet werden müssen. Da Rohrzucker aber bekannterweise nicht in der Schweiz angebaut wird, weist die Methodik Schwächen auf.
Zusätzlich handelt es sich nur um Produkte eines Label welche betrachtet wurden und auf deren Basis Aussagen zur globalen CO2 Emission getroffen wurden. Darf man das? 

Immerhin wird bereits eingeräumt, dass die meisten Emissionen durch den Transport des Biozuckers anfallen. Das war auch zu erwarten. Noch höher dürften die Emissionen werden, wenn der Zucker per Flieger in die Schweiz gebracht wird.

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Würden Zuckerrüben direkt ab Hof des Erzeugers verarbeitet und verkauft, dürften sich auch dort weitere Verringerungen der Emissionen ergeben… Das ist aber vermutlich eine Vision, die noch nicht gedacht wurde 

Persönliches Resümee:

Muss es Zucker aus Übersee sein?

Reiner Rohrzucker und Rübenzucker sind chemisch absolut gleich. Aus dieser Sicht gibt keinen Grund, den weit transportierten Rohrzucker zu bevorzugen.
Vielleicht, wenn dabei der Fair Trade Gedanke eine größere Rolle spielt. Dabei sollte aber nicht nur auf das “Fairtrade” Siegel geachtet werden, da dies nichts über den Einsatz von Pflanzenschutz- und Düngemitteln besagt. Der Einsatz chemisch-synthetischer Pflanzenschutzmittel zur Schädlings- und Unkrautbekämpfung sowie chemisch-synthetische Düngemittel sind im Zuckerrohr Anbau verbreitet.
Beim Kauf von FairTrade Zucker sollte zusätzlich das Biosiegel (z.B. bei GEPA) gewählt werden. Weder im ökologischen Zuckerrohr Anbau noch im ökologischen Rübenanbau sind Chemikalien, Fungizide oder Herbiziden erlaubt. Dadurch wird die CO2 Bilanz besser.

Rübenzucker von Naturata wird aus Zuckerrüben deutscher Bio-Landwirte hergestellt und findet sich im Bioladen. Dieser ist, zugegeben, nicht ganz preiswert. Unter dem Aspekt von Luxus/Hochzeit und CO2 Vermeidung aber allemal empfehlenswert.

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Der regionale Bio Imker könnte den Zucker aus Übersee in Form von Honig ersetzen, sofern er die Winterfütterung der Bienen nicht mit Zucker aus Übersee vornimmt, denn dann wäre der regionale Effekt des Honigs gleich null 
Von unseren örtlichen Imkerverein (nicht Bio) habe ich erfahren, dass die Imker hier in der Region die Winterfütterung der Bienen mit Futtersirup aus gentechnikfreiem Weizen vornehmen. CO2 Werte habe ich dazu nicht finden können.

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Über die Bio Imkerei Honigsüß in Wiesbaden ist für das Jahr 2010 zumindest schon einmal ein Wert von 3,34 CO2 / kg Honig berechnet worden. In der Berechnung wurden Benzinverbrauch PKW bzw. LKW, Wärme- und Strombedarf der Imkerei, Winterfütterung sowie Vermarktung einbezogen.
Dabei wird für die Zuckerrübenproduktion je kg Zucker ein CO2 Wert von 0,636 kg erwähnt.
In den Berechnungen nicht berücksichtigt ist der volkswirtschaftliche und ökologische Nutzen durch die Bestäubung der Bienen – puh ein CO2 Fass für sich.
Die CO2 Berechnung für Honig müsste unter ganz anderen Voraussetzungen erfolgen, als die des Zuckers. Es würde mich freuen, wenn ich dazu noch mehr aussagekräftige Werte bekommen könnte 

Solange es nur eine einzige, bezahlte Studie zum Thema Treibhauseffekt und Fairtrade Zucker gibt, muss die obige “Aussage” zum Thema sehr vorsichtig betrachtet werden…

Meiner Meinung nach kann über CO2 Bilanzen von Zucker derzeit noch keine ernst zu nehmende Aussage getroffen werden. Die Untersuchungslage ist mehr als lückenhaft. Aus diesem Grunde kann ich keine Gewissen beruhigen,  würde aber Bio-Rübenzucker aus Deutschland oder Biolandhonig von deutschen Imkern für den süßen Zahn vorziehen.

*Fabrikzuckerarten: gewöhnlicher weißer Haushaltszucker, brauner Zucker, Fruchtzucker, Traubenzucker, Milchzucker, Malzzucker, Vollrohrzucker, Sucanat, Ur-Süße, Ur Zucker, Rapadura, Demerara, Penekista, Melasse, Rübensirup, Ahornsirup, Apfeldicksaft, Birnendicksaft, Frutilose, Maltodextrin, Reismalz, Gerstenmalz, Gluscosesirup, Leucrose, Mascob(v)ado u.a.m.

Quellen:climatop, Hrsg. Climatop. 28. Oktober 2010. http://www.migros.ch/mediaObject/migros_ch/supermarkt/nachhaltige_labels/climatop/co2_champion/de/D-Fact_Sheet_Migros_Sugar_b1/original/D-Fact_Sheet_Migros_Sugar_b1.pdf (Zugriff am 18. Februar 2014).Migros-Genossenschafts-Bund, Hrsg. MIGROS.Bio Zucker. http://www.migros.ch/de/supermarkt/climatop/produkte/bio-zucker-max-havelaar.html (Zugriff am 18. Februar 2014).Migros-Genossenschafts-Bund, Hrsg. MIGROS.climatop. http://www.migros.ch/de/supermarkt/climatop.html (Zugriff am 18. Februar 2014).

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